In einer Zeit in der Quadcores mit 3 GHz zur Minimalausstattung eines PCs gehören, bestimmen SSDs die alltägliche Desktop-Performance. Ein schneller Boot, geringe Wartezeiten beim Umgang mit Dateien sowie schnelleres Laden von Anwendungen und Spielen tragen viel zur gefühlten Leistung eines Systems bei. Gleichzeitig entscheidet auch die Größe über den Komfort einer SSD; niemand will im Alltag laufend mit seinen Dateien jonglieren, um ausreichend Platz für das neueste Spiel oder eine Anwendung zu schaffen. Zuletzt hat auch der Preis pro GB bei der Kaufentscheidung mitzureden. Mit der Optane 900P verspricht Intel ausgezeichnete Leistung, die allerdings auch seinen Preis hat. Wir testen das PCIe-Modell mit 280 GB und wollen wissen ob die hohen Anschaffungskosten von 342 Euro gerechtfertigt sind.
Im Produktnamen steckt bereits die Technologie, die sich in der schicken, passiv gekühlten PCIe-Karte versteckt. "Optane" nennt Intel den neuen Phasenwechselspeicher namens 3D XPoint (ausgesprochen "Crosspoint"), der aus einer Zusammenarbeit mit Micron geboren wurde. Im Vergleich zu NAND-Flash, der sich in allen herkömmlichen SSDs im Handel befindet, arbeitet 3D XPoint mit der Veränderung des elektrischen Widerstands und bringt damit Latenzen von Schreib- und Lesezugriffen von nur 10 µs und ein Endurance Rating von 5,11 Petabyte. Im Vergleich dazu ist die 960 Pro mit 512 GB nur bis bis zu 400 TB beschreibbar (was immer noch mehr als ausreichend für Desktop-Nutzung ist). Der technische Hintergrund zu 3D XPoint wurde bereits allerorts bestens beschrieben, deshalb verweisen wir an diesem Punkt alle Leseratten zu anandtech.com und Besuchern mit geringer Konzentrationsspanne zu diesem oberflächlich gehaltenen YouTube-Video von Intel.
Intel Optane 900P - wahlweise im Bundle mit dem Star Citizen Ship "Sabre Raven" ("exclusive while supplies last"?)
Die Testkandidaten im Überblick
Intel Optane 900P
Samsung 960 Pro
Samsung 950 Pro
HyperX Predator
Kapazität
280 GB
512 GB
512 GB
480 GB
Speicher
3D XPoint
3D-NAND MLC v3
3D-NAND MLC v2
2D-NAND MLC
Interface
PCIe 3.0 x4
M.2 2280
M.2 2280
M.2 2280
Seq. Lesen
2500 MB/s
3500 MB/s
2500 MB/s
1400 MB/s
Seq. Schreiben
2000 MB/s
2100 MB/s
1500 MB/s
1000 MB/s
4K Lesen
550k IOPS
330k IOPS
300k IOPS
117k IOPS
4K Schreiben
500k IOPS
330k IOPS
110k IOPS
70k IOPS
TBW
5,11 PB
400 TB
400 TB
882 TB
MTBF in Stunden
1,6 Mio
1,5 Mio
1,5 Mio
1 Mio
Protokoll
NVMe
NVMe 1.2
NVMe 1.1
AHCI
Garantie
5 Jahre
5 Jahre oder TBW
5 Jahre oder TBW
3 Jahre
Preis*
342 Euro
268 Euro
359 Euro
350 Euro
* Bester Geizhals-Preis in einem namhaften Shop am 23.4.2018
Unsere Tests laufen komplett automatisiert ab, wir testen nichts mit der Hand! Das haben wir unserem Benchmark-Automatisierungstool namens Rebench zu verdanken, das wir speziell für dieses Review mit diversen Storage-Benchmarks erweitert haben. Getestet wird in zwei Kategorien: Zuerst zeigen wir die synthetische Lese- und Schreib-Performance anhand von unterschiedlichen Workloads. Anschließend müssen sich die Testkandidaten im Alltag beweisen. Wir messen dabei die Geschwindigkeit des Windows Bootups laut internem Boot-Protokoll von Microsoft, die Startzeiten von Anwendungen mithilfe von PCMark 10, allgemeine Workload-Szenarien in Photoshop und Co mit PCMark 8 sowie die Ladezeiten in Spielen. Die Übersicht der Gesamtleistung sowie das Preis/Leistungsverhältnis listen wir für jede Kategorie einzeln auf, damit die theoretische Leistung keinen Einfluss auf die Praxis hat.
So testen wir Spieleladezeiten für SSDs mit Rebench
Der Test beginnt mit dem Klonen unserer Testinstallation von Windows 10. Neben Microsoft Office 365 haben wir einige Anwendungen, alle notwendigen Driver, einen Password Manager und zwei Spiele installiert. Der Datenträger ist dadurch mit gut 200 GB befüllt und das Windows absichtlich nicht frisch, um die Testkandidaten entsprechend schwitzen zu sehen. Windows Updates und Hibernation sind während des Tests bewusst deaktiviert, da sonst die Ergebnisse verfälscht werden könnten. Nachdem die Temperaturen von M.2-SSDs derzeit einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Leistung einiger Testkandidaten haben, mussten wir in Rebench zwischen den Tests eine Cooldown-Phase implementieren. Der Sensor der SSD wird dabei laufend ausgelesen bis sich 60 Sekunden lang keine Änderung nach unten feststellen lässt. Erst dann wird der nächste Test gestartet.
Die Samsung 950 und 960 Pro haben wir zusätzlich mit einer PCIe-Adapterkarte durchgetestet. Dafür kam die Angelbird Wings PX1 zum Einsatz, die wie die Optane für eine passive Kühlung sorgt und sie dadurch besser vergleichbar macht. Beide Testkandidaten sind also auch mit dem Postfix "PX1" in den Benchmarks vertreten. Die Zusatzkosten von 68 Euro wurden bei den Preis-/Leistungsdiagrammen entsprechend eingerechnet.
Unsere synthetischen Werte messen wird mit DiskSpd, dem verlässlichen Nachfolger von SQLIO. DiskSpd wird ebenfalls im bekannten CrystalDiskMark verwendet, dessen Testverfahren wir für unsere Automatisierung nachgestellt haben. Getestet werden Lese- und Schreibvorgänge mit 4K und unterschiedlicher Thread-Anzahl und Queue-Depth. Diese Parameter zeigen unterschiedliche, teils parallele Belastungsszenarien, die im Alltag am Desktop in ähnlicher Art und Weise vorkommen können. Zusätzlich erfolgt ein sequenzieller Test der Lese- und Schreibraten, um die maximale Performance bei optimalen Bedingungen zu zeigen (Read/Write Seq Q32T1).
Synthetische Leistung
Gesamt
Gesamt
Preis/Leistung
Diskspd - Read 4KiB Q1T1
Diskspd - Read 4KiB Q32T1
Diskspd - Read 4KiB Q8T8
Diskspd - Read Seq Q32T1
Diskspd - Write 4KiB Q1T1
Diskspd - Write 4KiB Q32T1
Diskspd - Write 4KiB Q8T8
Diskspd - Write Seq Q32T1
Das Zwischenergebnis könnte nicht klarer sein. Die Intel Optane 900P zeigt was theoretisch im Consumer-Bereich möglich sein kann. Die Lese- und Schreibraten von 4K-Blöcken sorgt für große Hoffnungen. Sequenziell kann nur die 960 Pro halbwegs mithalten, bei den Tests mit geringerer Queue-Depth ist sie unschlagbar.
Ein trauriges Ergebnis liefert die 950 Pro ab, die durch die stetige Belastung von synthetischen Tests unaufhaltsam zum Throtteln beginnt. Das betraf in unserem Fall speziell die letzten drei Subtests in der Liste, die im Vergleich zur Kombination mit der passiven Kühlung mittels PX1 um bis zu 2/3 schlechter ausgefallen sind.
Alltagsleistung
Gesamt
Gesamt
Preis/Leistung
Windows Bootup Time
The Witcher 3 - Game Loading
Grand Theft Auto V - Game Loading
PCMark 8 - Storage
PCMark 10 - App Startup
Die großen Hoffnungen auf die Performance-Krone zerschellen an der harten Realität. Trotz den hohen, theoretischen Werte ist die Samsung 960 Pro nach wie vor der schnellste Testkandidat in unserem Parcours. Die Optane kann sich zwar in den PCMarks behaupten, bringt die PS beim Windows Boot und bei Spielen allerdings nicht auf den Boden. Das wäre ja an sich nicht so tragisch, doch für den satten Preis pro GB fehlen dadurch im Endeffekt die entsprechenden Argumente.
Überraschend gut schlägt sich die in die Jahre gekommene Samsung 950 Pro. Im Alltag fällt das Hitzeproblem nicht wirklich auf und dadurch steckt sie teilweise sogar ihren Nachfolger in die Tasche - auch wenn nicht viel um ist. Die Kaufentscheidung fällt natürlich trotzdem für die 960 Pro aus, aber es zeigt sehr gut, dass ein Upgrade von 950 auf 960 Pro absolut sinnlos ist. Sollte euer Gehäuse schlecht belüftet sein oder der Airflow nicht über M.2-Slot führen, dann wäre das einzig sinnvolle Upgrade eine passive Kühlung wie die PX1.
Die HyperX Predator ist wie erwartet deutlich vom Spitzenfeld abgeschlagen. Schlecht ist sie deswegen nicht, denn relativ betrachtet ist zum Beispiel der Windows-Boot nur 3,5 Sekunden langsamer als bei der 960 Pro. GTA V lädt 6 Sekunden länger als es sein müsste, bei The Witcher 3 bedeutet es 2,5 Sekunden zusätzlich warten. Ob das ein Upgrade zu einer NVMe-SSD wert ist, müsst ihr selbst entscheiden.
Heutzutage kann die Temperatur und Last ein wichtiger Faktor für die Leistung einer M.2 SSD sein. Die Bausteine liegt sehr knapp aneinander und können bei dauerhafter Belastung nicht die Lebenszeit der Komponente verkürzen, sondern führen unter Umständen auch zu einem Throtteling und damit zu geringerer Leistung. Folgendes Diagramm zeigt die Temperaturen der Testkandidaten nach fünf Minuten durchgehenden Lese- und Schreibtests mittels DiskSpd.
Temperaturen unter Last
Maximum nach 5 Minuten Reads und Writes
Sample
°C
Optane 900P
47
960 Pro PX1
50
950 Pro PX1
59
960 Pro
70
HyperX Predator
71
950 Pro
76
Die Optane 900P behält selbst Dauerlast immer einen kühlen Kopf. Der passive Heatspreader sieht also nicht nur gut aus, sondern tut auch, was er soll. Wie groß der Einfluss von 3D XPoint auf die Temperatur ist, lässt sich dadurch leider nicht ableiten. Die positive Wirkung eines zusätzlichen, passiven Kühlkörpers kann die Konkurrenz von Samsung allerdings nicht abstreiten. Speziell die 950 Pro wird durch die Angelbird Wings PX1 vom Throtteln bewahrt, das bei ungefähr 75 °C auftritt. Die 960 Pro ist durch ihren Kupferaufkleber etwas besser unterwegs, könnte aber durch einen noch längeren Schreibtest problemlos in die Knie gezwungen werden. Auf die Alltagsleistung für den Ottonormalverbraucher wirkt sich das nicht aus, wer jedoch einen härten Storage-Einsatz für die 960 Pro plant, wird sich auch nicht vor einer passiven Kühllösung drücken können.
Nachdem wir alle Testkandidaten durch unseren brandneuen Parcours gejagt haben, ist uns eines aufgefallen: Alle High-End-SSDs performen in Sachen Bootzeit sowie Anwendungs- und Spiele-Ladezeiten ungefähr gleich. Offenbar liegt das Bottleneck hier nicht nur bei der SSD, sondern unter Umständen auch auf CPU und Arbeitsspeicher. Wir wären nicht overclockers.at, wenn wir das nicht sofort getestet hätten. Die Optane 900P wurde also sofort wieder in das Testsystem gesteckt, um ein paar weitere Runden zu drehen. Fangen wir mit dem Arbeitsspeicher auf 2133 CL15 VS 3000 CL15 an:
RAM 2133 VS 3000 MHz
Gesamt
Gesamt
Windows Bootup Time
The Witcher 3 - Game Loading
Grand Theft Auto V - Game Loading
PCMark 8 - Storage
PCMark 10 - App Startup
Wer hätte das gedacht? Zwei Sekunden schneller bootet das System mit einem Arbeitsspeicher auf 3000 MHz CL15. Zusätzlich gibt es sogar Verbesserungen bei den Spieleladezeiten von ungefähr 0,5 bis 1 Sekunde. Die Anwendungsladezeiten sollen laut PCMark 10 gar um 10% beschleunigt werden.
CPU-Takt im Vergleich
Gesamt
Gesamt
Windows Bootup Time
The Witcher 3 - Game Loading
Grand Theft Auto V - Game Loading
PCMark 8 - Storage
PCMark 10 - App Startup
Auch die CPU hat bei den Ladezeiten noch etwas mitzureden. Einen dramatischen Einfluss gibt es nicht, aber dennoch lässt sich durchgehend feststellen, dass die Ladezeiten mit zusätzlicher Taktfrequenz skaliert. Fazit: Wer "nur" 3 GHz mit langsameren Arbeitsspeicher hat, muss bei flotten SSDs längere Wartezeiten hinnehmen. Damit widerlegen wir zwar zum Teil unsere eigene Aussage in der Einleitung über die Wichtigkeit von SSDs heutzutage, aber das war es uns wert!
Die Intel Optane 900P gehört zu den schnellsten SSDs am Markt. Theoretisch ist sie sogar die schnellste, die Praxis gibt jedoch gesamt gesehen der Samsung 960 Pro den Vortritt. Der Knackpunkt ist der Preis der 900P. Die Alltagsleistung spricht nicht für die 1,22 Euro pro GB, besonders dann, wenn die direkte Konkurrenz nur 0,52 Euro pro GB kostet. Richtig, das ist der halbe Preis für dieselbe Kapazität. Oder noch besser: Die doppelte Kapazität für denselben Preis. Das ist nämlich das zweite Problem, das wir mit unserem Testkandidaten haben. 280 GB reichen einfach nicht aus für eine OS-Platte mit Spielen und Anwendungen. Wer also unbedingt eine Optane besitzen möchte, der greift gleich zur 480-GB-Variante um 550 Euro. Dafür gibt es dann allerdings schon die 960 Pro mit 1 TB. Genau das ist Grund, weshalb wir die 900P derzeit nicht für Gamer und Enthusiasten empfehlen können.
Die Intel Optane 900P - schnell, stylisch, kühl und trotzdem zu teuer!
Das heißt allerdings nicht, dass wir die Intel Optane 900P nicht für ein spannendes Produkt halten. Intel hat da ein heißes Eisen im Feuer, das den mit NAND-Flash übersäten Markt langfristig ordentlich aufmischen könnte. Bis dahin heißt es aber noch abwarten.