Guitar Hero statt Benchmarks!
Gestern lud
Intel zum offiziellen
Launch ihrer mobilen
Centrino-2-Plattform ein und ließ sich gleich im Anschluss zum 40. Geburtstag feiern. Die Pressekonferenz begann mit den Worten:
"Heute gibt es keine Charts oder Benchmarks!"Wie versprochen ging die Präsentation des Centrino-Nachfolgers locker vonstatten. Mit praxisnahen und unterhaltsamen Bei
spielen wurden die größten Änderungen am neuen mobilen Untersatz vorgestellt. Den Anfang machte die (für uns besonders wichtige)
Leistungssteigerung, die dank der Palette an neuen 45-nm-CPUs, einem höheren FSB von 1066 MHz und verbesserten IGPs im GM45/47-Chipset ermöglicht wurde.
Die neuen, ausschliesslich 2-kernigen
CPUs lassen sich durch ihre Namen gut identifizieren. Alle P-Prozessoren verfügen über eine TDP von 25 W, ein einleitendes T steht für 35 W. Folgt darauf eine 8, dann wurden 3 MB L2-Cache verbaut; eine 9 zeugt von 6 MB. Alle weiteren Abstufungen entstehen durch die gesetze Taktrate. Hier die genauen Spezifikationen:
P8400: 2,26 GHz, 3 MB L2-Cache, 25 W TDP
P8600: 2,40 GHz, 3 MB L2-Cache, 25 W TDP
P9500: 2,53 GHz, 6 MB L2-Cache, 25 W TDP
T9400: 2,53 GHz, 6 MB L2-Cache, 35 W TDP
T9600: 2,80 GHz, 6 MB L2-Cache, 35 W TDP
Nicht ganz passt da der X9100 hinein, der sein Präfix von einem frei einstellbaren Multiplikator erhalten hat:
X9100: 3,06 GHz, 6 MB L2-Cache, 44 W TDP
Ein Dualcore-Prozessor mit freiem Multiplikator? Wer übertaktet, der riecht hier eine brennende Lunte. Allerdings fälschlicherweise, denn die Centrino-2-CPUs laufen auf dem
Socket P, der mit dem normalen LGA 775 viel zu wenig gemein hat. Eine Chance wie sie sich damals beim AMD Athlon XP-M aufgrund des gemeinsamen
Socket A bot, findet sich hier leider nicht.
Grafisch hilft der GMA X4500HD aus, der bereits auf dem G45-Chipsatz zum Einsatz kommt. Obwohl die mobile Version anders getauft wurde,
GMA 4500MHD, ändert sich an den Features nichts:
- DirectX-10-Unterstützung und damit Shader Model 4.0
- HW Transform & Lighting, endlich!
- GPU-Takt von 533 MHz
- nur Shared Memory
- HD Video Decoding in Hardware: AVC/VC1/MPEG2
- HDMI mit HDCP-Support
Unter dem Namen
GM47 wird es übrigens noch ein Chipset geben, das einen
GPU-Takt von 640 MHz fährt, um für aktuelle Spiele zumindest einigermaßen gewappnet zu sein. Aber sehen wir uns die Benchmarks an, die uns Intel mitgegeben hat:
Offizielle Benchmarks von Intel: 3DMark06 (DX9) in 1280x800 Falls sich jemand wundert: Die Graphen für "Top CPU Bin" bilden Werte mit den mobilen High-End-CPUs (T9600, T7800 usw.) ab, bei "Mainstream CPU" kommt die untere Riege (P8400, T7250, usw.) zum Einsatz.Die trockenen Zahlen bescheren der neuen integrierten Grafik einen
weiteren Leistungsprung zur vorhergehenden Generation (GMA X3100, 965GM-Chipset). Dass das leider dennoch
für aktuelle Spiele nicht ausreichend zu sein scheint, schreibt
notebookcheck.com in ihrem
Vorab-Review des FSC Amilo Si3655. Gemeinsam mit einem T9400 (2,53 GHz) und 4 GB PC2-6400 macht das Notebook gerade mal
900 3DMarks und kann sich nur schweren Herzens mit einer GeForce 8400M GS (> 1100 3DMarks) anlegen.
Nichtsdestotrotz wurde uns bei diesem Presse-Event ein
flüssig laufendes
Guitar Hero und
In-Game-Footage von Sacred 2 vorgeführt, die auf eine überzeugendere Spieleleistung hoffen lassen. Letzteres wird übrigens speziell mit dem neuen IGP von Intel beworben und hat auch bereits in Form
eines Trailers (Intel-Video, 2. Eintrag) für Aufmerksamkeit gesorgt. Wie ihr seht können wir also erst eine definitive Aussage zu diesem Thema machen, wenn wir selbst ein entsprechendes Centrino-2-Notebook in die Finger bekommen!
Im Hintergrund läuft das im September erscheinende Sacred 2 auf Intels neuem IGP flüssig ab.Eine bis dato noch selten ausgeführte Tätigkeit ist das
Übertakten eines mobilen Begleiters. Doch die aktuelle Marktüberflutung durch performante DTRs scheint Intel nun überzeugt zu haben, dass man sich mit diesem Thema genauer beschäftigen muss. Resultat ist eine portierte Version des
Intel Extreme Tuning Utility - eine Software, die bereits beim X38-Chipsatz Anwendung fand. Diese ist
nur für mobile
X-Prozessoren ausgelegt und gibt freien Zugang zu Multiplikator, Taktraten, Spannungen und Speichertimings. Für die Verwaltung unterschiedlicher Einstellungen wurde netterweise noch ein Profilsystem integriert. Alles in allem bietet das Tool ein Frontend zu den neu integrierten Overclocking-Funktionen im BIOS.
Das Intel Extreme Tuning Utility gibt es nun auch in einer mobilen VersionEbenso interessant ist die Einführung des
XMP (Intel Extreme Memory Profile) in die tragbare Welt, die dank Centrino 2
erstmals DDR3-Speicher zur Verfügung stellt. Wie jedem Übertakter bereits viele Male suggeriert wurde, bietet ein Speicher mit XMP-Unterstützung eine
erhebliche Vereinfachung bei der zweitschönsten Tätigkeit der Welt, da vorgefertige Profile mit aggressiven Speicher-Timings aufwarten können und dem
Aussteiger Einstiegsverweigerer auf diesem Gebiet ein (grobes) Overclocking ermöglichen.
Natürlich bringt die
Montevina-Plattform, so der Kosename von Intel, nicht nur mehr Leistung und Overclocking mit sich. Da wir uns allerdings am liebsten nur mit den ersten beiden Themen beschäftigen, halten wir uns bei den restlichen Bereichen mit detailgetreuer Berichterstattung zurück. Deshalb hier nur
kurz zusammengefasst welche Verbesserungen uns Intel noch beschert hat:
Switchable GraphicsUm optimal den Stromverbrauch senken zu können, gibt dieses Feature die Möglichkeit eine optional eingebaute performantere Grafikkarte - NVIDIA und AMD/ATI lassen grüßen - komplett stillzulegen. Die weniger Grafik-intensiven Applikationen können dann vom integrierten Grafikprozessor des Chipsets energieeffizienter übernommen werden.
Neue FormfaktorenDie niedrige TDP der neuen 45-nm-CPUs ebnen den Weg zu ehemals Hitze-problematischen Formen. Dies beinhält auch die Nutzung von größeren Grafikkarten/Multi-GPUs in gemütlicheren Barebones mit kleineren Displays.
"Mehr Wireless"Auch die drahtlosen Funktionen wurden erweitert und verfügen nun über eine offizielle
N-Unterstützung und das bei uns uninteressante WiMAX.
vProAuch das Business-lastige
vPro kam nicht ungeschoren davon und wurde mit drahtlosem Remote-Management verfeinert. Viel mehr dazu gibt es in einem
riesigen Whitepaper (~2 MB).
Gar nicht wenig: Den Sprung zu einer neuen Version einer Plattform muss man sich erst verdienen!Wie bereits im Abstract des Artikels erwähnt, waren die Gründe für diese Veranstaltung nicht nur rein technischer Natur. Denn
"Intel wird 40" hieß es vor wenigen Wochen auf allen namhaften Internetseiten und das musste natürlich gebührend gefeiert werden. Deshalb hingen überall Erinnerungsstücke aus der
Vergangenheit auf den Wänden und zwischendurch plauderte ein (für uns überhaupt nicht) namhafter freier Journalist aus dem Nähkästchen der letzten Jahrzehnte. Dass die Firmengeschichte dabei auch schmutzige Seiten in der Chronik aufweist, wurde selbstverständlich kaschiert. Wer also eine Auffrischung benötigt, dem empfehlen wir die prägnante Abhandlung
"Paranoia Inside" aus der Taz.
Vergeben und vergessen! Die abendliche Feier im Anschluss war rundum gut besucht - jedenfalls weit besser als die Pressekonferenz - und versorgte die geladenen Gäste mit Speis, Trank und einer hawaiianschischen Blumenkette?! In diesem Sinne:
HBD Intel!
Der Fairness halber haben auch wir auf Intel angestossen... mehrmals!
Schwer zu erraten: Die Band spielte nur Hits aus dem Geburtsjahr(en) von Intel
Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei!
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