EBooks sind nun mal nicht so billig, wie viele es gerne hätten. Die Druckkosten sind nur ein sehr kleiner Teil der Kosten, die erst ganz zum Schluss anfallen. Typischerweise belaufen sich die Druckkosten - Druck und Materialien - auf etwa 2 - 3 US-Dollar. Der ganze Rest entfällt auf andere Kosten, die sich anhäufen: Der Autor will bezahlt werden, ebenso wie die diversen Lektoren, der eventuell vorhandene Literatur-Agent, der Cover-Designer, die Assistenten, die bei Publishern üblichen Sachzuwendungen bzw. Zuschüsse, Übersetzer, Lizenzgebühren, etc. Dann hast du mal eine Print-Ausgabe.
Was könnte man sich jetzt bei eBooks sparen? Die rund 15 % Druckkosten? Falsch. Denn dann braucht man wieder jemanden, der die nötige Expertise hat, den Text auf entsprechendes Format umzuwandeln und - höchstwahrscheinlich noch - DRM hinzuzufügen. Schon werden die Ersparnisse (teilweise) wieder aufgefressen. Man könnte jetzt damit argumentieren, dass MMPBs (Mass Market Paper Backs) billiger sind. Stimmt auch. Dafür gelten allerdings auch andere Voraussetzungen. Die Stückzahlen sind erstens viel größer als bei gebundenen Büchern, und wenn ein Hardcover vorangegangen ist, wurde ein Großteil der Arbeit bereits erledigt. Wieder bleibt das Umformatieren für die eBook-Reader und DRM.
Klarerweise könnte man jetzt auch sagen, dass das Umformatieren eigentlich keine Arbeit ist. Das ist natürlich abhängig davon, welches Format man wählt und wer diese Arbeit durchführt. Am teuersten ist ohne Frage DRM, die Software ist ja nicht gerade billig.
Ein weiteres Problem ist auch, dass Publisher nicht an Endkunden verkaufen und offenbar ein Problem damit haben, sich in die Rolle des Endkunden hineinzuversetzen. Publisher verkaufen traditionell an Händler. Auch hier ist Umdenken gefragt.
Ich sehe das Problem eher darin, dass die meisten eBooks im Grunde exacte Replika von Printausgaben sind. Und das bis hinunter zu Dingen, die auf einem eReader wenig Sinn machen. Diese 1:1-Umsetzung ist es, was eBooks in meinen Augen weniger wert als das Print-Pendant machen. Es ist Aufgabe der Publisher, ein eBook für mich interessant zu gestalten. Ein digitales Buch kann nicht mit den selben Merkmalen wie ein gedrucktes auftrumpfen. Seitenzahlen? Referenzen auf Seitenzahlen? Was ist die Antwort der Publisher?
Enhanced eBooks.
Was sind jetzt enhanced eBooks? Nur eine weitere Möglichkeit, Geld zu scheffeln. Die verbesserten eBooks bieten zusätzliche Inhalten (Interviews, Reading Guides, etc.) an; diese machen ein eBook teurer als eine Hardcover-Ausgabe! Zufällig stammt der Plan von
Macmillan. Andere Publisher - HarperCollins etwa - würden eBooks gerne mit Videos und Einbindungen in soziale Netzwerke aufwerten. Ich persönlich will keine tollen Inhalte - selbst wenn sie
richtig umgesetzt werden würden - die ein eBook noch teurer machen.